Druckgeschwür Pflege: Vorbeugen, Lagern, Wundversorgung
Ein Druckgeschwür entsteht, wenn die Haut über einem Knochenvorsprung zu lange unter Druck steht. Wer regelmäßig umlagert, die Haut kontrolliert und ein druckverteilendes Hilfsmittel nutzt, verhindert die meisten Wunden.
Inhalt
- Was ein Druckgeschwür ist
- Diese Körperstellen sind besonders gefährdet
- Wer besonders gefährdet ist
- Druckstellen früh erkennen
- Richtig umlagern und bewegen
- Hilfsmittel und wer sie zahlt
- Hautpflege und Inkontinenz
- Ernährung und Trinken
- Wenn eine Wunde entstanden ist
- Vorbeugen im Sitzen
- Was Angehörige beim Arzt sagen
- Ein Beispiel: Heinrich und Renate in Halle
- So gehen Sie vor
- Typische Fehler
- Druckgeschwür und Pflegegrad
- Beratung und Unterstützung
- Quellen
Ein Druckgeschwür, in der Fachsprache Dekubitus, ist eine offene Wunde, die durch anhaltenden Druck auf die Haut entsteht. Am häufigsten trifft es Menschen, die viel liegen oder sitzen und sich kaum selbst bewegen. Vorbeugen können Sie mit einfachen Mitteln: regelmäßig umlagern, die Haut an den gefährdeten Stellen kontrollieren und eine druckverteilende Unterlage nutzen.
Was ein Druckgeschwür ist
Ein Druckgeschwür ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunter liegenden Gewebes. Es entsteht, wenn Druck oder Druck zusammen mit Scherkräften lange auf eine Stelle wirkt. Besonders betroffen sind Körperstellen, an denen nur wenig Polster zwischen Haut und Knochen liegt. Reicht die Durchblutung nicht mehr aus, stirbt Gewebe ab. Die Wunde kann im Liegen und im Sitzen entstehen, auch durch Schienen, Sonden oder einen harten Toilettenstuhl.
Diese Körperstellen sind besonders gefährdet
Am häufigsten sind das Kreuzbein und das Steißbein, die Sitzbeinhöcker, der große Rollhügel an der Hüfte, die Fersen und die Außenknöchel. Auch Hinterkopf, Ohren, Schulterblätter und Ellenbogen sind anfällig. Wer viel sitzt, ist vor allem am Gesäß und an den Sitzbeinhöckern gefährdet. Prüfen Sie diese Stellen bei jeder Pflege, vor allem bei Menschen, die sich nicht selbst drehen können.
Wer besonders gefährdet ist
Der wichtigste Risikofaktor ist fehlende Bewegung. Wer sich im Bett nicht mehr allein drehen kann, ist fast immer gefährdet. Dazu kommen Lähmungen und Gefühlsstörungen, etwa nach einem Schlaganfall oder bei einer Querschnittlähmung. Betroffene spüren den Druck dann nicht mehr. Auch Diabetes, Durchblutungsstörungen, hohes Alter, Fieber und eine schlechte Ernährung erhöhen das Risiko. Eine schwere Krankheit oder eine Operation verschärfen die Lage zusätzlich.
Druckstellen früh erkennen
Kontrollieren Sie die gefährdeten Hautstellen mindestens einmal am Tag. Drücken Sie mit einem Finger auf eine Rötung. Bleibt sie stehen, ist das eine nicht wegdrückbare Rötung und schon ein Druckgeschwür der Kategorie 1. Eine offene oder blasige Stelle ist Kategorie 2, ein tiefes Loch Kategorie 3. Bei Kategorie 4 liegen Knochen oder Sehnen frei. Je früher Sie eine Rötung bemerken, desto weniger muss die Haut leiden.
Richtig umlagern und bewegen
Das beste Mittel gegen Druck ist Bewegung. Helfen Sie Ihrem Angehörigen, sich mehrmals am Tag selbst zu drehen, und unterstützen Sie ihn dabei. Können Sie ihn nicht mobilisieren, lagern Sie ihn in einem festen Rhythmus um. In der Praxis sind das meist zwei bis vier Stunden, bei gefährdeter Haut auch kürzer. Ein festes Intervall gibt es nicht, wichtig ist der Hautzustand.
Am schonendsten ist die 30-Grad-Seitenlagerung mit einem Keilkissen oder einer zusammengerollten Decke im Rücken. Die 90-Grad-Seitenlage drückt stärker auf den großen Rollhügel. Lagern Sie die Fersen frei, indem Sie die Unterschenkel mit einem Kissen unterfüttern. Ziehen Sie Ihren Angehörigen beim Umlagern nicht über das Laken, sondern heben Sie ihn mit einer Gleithilfe an. Nach jeder Umlagerung schauen Sie die Haut an und dokumentieren Auffälligkeiten.
Hilfsmittel und wer sie zahlt
Bewegung ersetzen Hilfsmittel nicht, sie ergänzen sie. Eine Antidekubitus-Matratze verteilt den Druck auf eine größere Fläche. Wechseldrucksysteme sind aufwendiger und kommen bei hohem Risiko zum Einsatz. Dazu passen ein druckverteilendes Sitzkissen, ein elektrisch verstellbares Pflegebett und eine Gleithilfe.
Bei medizinisch notwendiger Vorbeugung verordnet der Arzt die Matratze über die Krankenkasse nach § 33 SGB V. Erwachsene zahlen 10 Prozent zu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Läuft die Versorgung über die Pflegekasse als technisches Pflegehilfsmittel nach § 40 Abs. 3 SGB XI, liegt die Zuzahlung bei 10 Prozent, höchstens 25 Euro. Dient ein Hilfsmittel beiden Zwecken, prüft die Kasse, bei der Sie den Antrag stellen, welcher Träger zuständig ist (§ 40 Abs. 5 SGB XI). Fragen Sie beim Sanitätshaus nach einem leihweisen Modell, das ist oft günstiger.
Für Verbrauchsmaterial wie Einmalhandschuhe und Bettschutzeinlagen zahlen Sie nichts, die Pflegekasse erstattet bis 42 Euro im Monat. Ein größerer Umbau wird mit bis 4.180 Euro je Maßnahme gefördert. Den Antrag stellen Sie vor Beginn der Arbeiten. Welche Hilfsmittel es gibt, steht im Ratgeber zu technischen Pflegehilfsmitteln, die Pauschale erklärt der Beitrag zu den Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch.
Hautpflege und Inkontinenz
Keine Creme verhindert ein Druckgeschwür, das Wichtigste bleibt der Blick auf die Haut. Reiben Sie gefährdete Stellen nicht kräftig ein, sondern cremen Sie sie dünn ein. Trockene Altershaut pflegen Sie mit einer rückfettenden Lotion. Bei Inkontinenz wechseln Sie Windeln und Einlagen zügig, damit Urin und Stuhl die Haut nicht aufweichen. Nach dem Waschen trocken tupfen, nicht reiben. Eine aufgeweichte Haut, in der Fachsprache Mazeration, schädigt schneller.
Ernährung und Trinken
Auch bei guter Lagerung entsteht bei geschwächten Menschen leichter eine Wunde. Eine eiweißreiche Ernährung mit Milchprodukten, Eiern, Fisch und Hülsenfrüchten hilft der Haut. Trinken Sie mindestens 1,5 Liter am Tag, wenn keine Krankheit etwas anderes vorgibt. Ältere Menschen haben oft kein Durstgefühl, also stellen Sie die Getränke sichtbar hin und erinnern Sie ans Trinken. Ist der Appetit dauerhaft schlecht, fragen Sie den Arzt nach einem Ernährungsscreening.
Wenn eine Wunde entstanden ist
Ist die Haut offen, muss die Wunde versorgt werden. Der Arzt verordnet die Versorgung als häusliche Krankenpflege nach § 37 SGB V, auf dem Rezept steht die Leistungsnummer 31a. Der Pflegedienst kommt dann ins Haus und übernimmt den Verbandwechsel. Angehörige können das auch selbst lernen, wenn eine Anleitung erfolgt.
Die Krankenkasse muss die Verordnung genehmigen. Eine Erstverordnung gilt für bis zu vier Wochen, danach ist eine neue nötig. Erwachsene zahlen je Verordnung 10 Euro und 10 Prozent der Kosten, bis die Belastungsgrenze erreicht ist. Auch der Positionswechsel zur Behandlung ist verordnungsfähig; die Angehörigen sollen dabei angeleitet werden, damit sie das Umlagern selbst übernehmen.
Vorbeugen im Sitzen
Druckgeschwüre entstehen nicht nur im Bett. Wer lange im Stuhl oder im Rollstuhl sitzt, ist am Gesäß und an den Sitzbeinhöckern gefährdet. Helfen Sie beim Umsetzen, damit Ihr Angehöriger nicht nach vorn rutscht. Achten Sie auf eine gerade Sitzposition, die Füße flach auf dem Boden. Stehen Sie nicht auf, ohne vorher zu prüfen, ob Sie Ihren Angehörigen allein halten können. Sagen Sie ihm, dass er sich alle 15 bis 30 Minuten mit den Armen abstößt, um das Gesäß zu entlasten. Ein druckverteilendes Sitzkissen verringert den Druck auf die Sitzbeinhöcker und gehört zur Grundausstattung im Rollstuhl zur Vorbeugung.
Was Angehörige beim Arzt sagen
Vieles läuft über den Hausarzt, deshalb hilft eine klare Schilderung. So oder ähnlich reicht es: "Mein Vater liegt nach einem Schlaganfall fast nur noch im Bett und kann sich nicht selbst drehen. Am Steißbein ist eine rote Stelle. Bitte verordnen Sie eine Antidekubitus-Matratze und sehen Sie sich die Stelle an." Notieren Sie, welche Stelle rot ist und seit wann. Ein Foto vom Handy hilft, wenn sich der Hautzustand schnell ändert und Sie am Telefon beraten werden.
Ein Beispiel: Heinrich und Renate in Halle
Ein Beispiel: Heinrich Klose, 82, lebt mit seiner Tochter Renate in Halle (Saale). Nach einem Oberschenkelhalsbruch kann er sich kaum noch im Bett drehen. Renate lagert ihn alle drei Stunden um und kontrolliert bei jeder Pflege das Steißbein und die Fersen. Der Hausarzt verordnet eine Antidekubitus-Matratze. Sie kostet 480 Euro. Die Zuzahlung von 10 Prozent wären 48 Euro, sie ist aber auf höchstens 10 Euro begrenzt, also zahlt Renate 10 Euro. Für Handschuhe und Bettschutzeinlagen erstattet die Pflegekasse 42 Euro im Monat. Heinrich hat Pflegegrad 3 und bekommt 599 Euro Pflegegeld, dazu 131 Euro Entlastungsbetrag. Einen Teil davon reicht Renate an eine Nachbarin weiter, die einmal in der Woche übernimmt.
So gehen Sie vor
- Prüfen Sie täglich die gefährdeten Stellen: Steißbein, Fersen, Hüfte, Sitzbeinhöcker und Hinterkopf.
- Fragen Sie den Arzt, ob eine Antidekubitus-Matratze oder ein Sitzkissen verordnet werden kann.
- Beantragen Sie das Hilfsmittel vor der Anschaffung, damit die Kosten übernommen werden.
- Umlagern Sie bei fehlender Eigenbewegung alle zwei bis vier Stunden und lagern Sie die Fersen frei.
- Lassen Sie sich in einem Pflegekurs nach § 45 SGB XI das Heben und Lagern zeigen.
- Führen Sie ein Pflegetagebuch, damit der Medizinische Dienst den Bedarf nachvollziehen kann.
- Ist die Haut offen, lassen Sie die Wunde ansehen und die Versorgung verordnen.
Pflegegrad-Rechner: Welcher Pflegegrad ist wahrscheinlich?
Schätzen Sie für jeden Lebensbereich ein, wie selbstständig die Person im Alltag ist. Denken Sie an einen normalen Tag, nicht an den besten.
Vereinfachte Schätzung nach den sechs Modulen und der Gewichtung aus Anlage 2 zu § 15 SGB XI. Die Gutachterin oder der Gutachter des Medizinischen Dienstes bewertet jede einzelne Tätigkeit genauer. Das Ergebnis ist deshalb unverbindlich.
Typische Fehler
- Nur auf die Uhr sehen. Starre Zwei-Stunden-Regeln ohne Blick auf die Haut bringen wenig.
- Auf eine gerötete Stelle lagern. Die Stelle braucht zuerst Druckentlastung.
- Über das Laken ziehen. Dadurch entstehen Scherkräfte, die die Haut schädigen.
- Eine Matratze selbst kaufen. Ohne Verordnung und Bewilligung bleibt die Kasse außen vor.
- Die Fersen vergessen. Sie liegen oft frei sichtbar und werden trotzdem übersehen.
- Zu wenig trinken lassen. Flüssigkeitsmangel schwächt die Haut zusätzlich.
- Eine offene Stelle lange beobachten. Ab Kategorie 2 gehört die Wunde in ärztliche Hand.
Druckgeschwür und Pflegegrad
Der Positionswechsel im Bett ist ein eigenes Kriterium in Modul 1 des Begutachtungsinstruments nach § 15 SGB XI. Wer sich nicht mehr allein drehen kann, sammelt dort Punkte. Das Modul Mobilität zählt mit 10 Prozent in die Gesamtpunkte. Die Pflegegrade beginnen bei 12,5 Punkten, Pflegegrad 2 ab 27, Pflegegrad 3 ab 47,5, Pflegegrad 4 ab 70 und Pflegegrad 5 ab 90. Gerade an der Grenze zwischen zwei Pflegegraden können die Punkte aus der Mobilität den Ausschlag geben. Wie Sie den Antrag stellen, erklärt Pflegegrad beantragen, eine Vorlage für die Begutachtung finden Sie im Pflegetagebuch.
Beratung und Unterstützung
Kostenlose Pflegeberatung bekommen Sie nach § 7a SGB XI bei der Pflegekasse, auf Wunsch bei Ihnen zu Hause. In den meisten Bundesländern gibt es Pflegestützpunkte, deren Adressen die Datenbank des ZQP führt. Pflegekurse nach § 45 SGB XI zeigen das Umlagern und Heben. Bei der Pflegekasse können Sie auch telefonisch nachfragen. Sagen Sie zum Beispiel: "Meine Mutter hat eine rote Stelle am Steißbein. Bekommt sie eine Antidekubitus-Matratze verordnet?" Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums erreichen Sie unter 030 20179131, Montag bis Donnerstag, 9 bis 18 Uhr. Mehr zu den Stellen finden Sie unter Pflegeberatung und Pflegestützpunkt und zu den Kursen unter Pflegekurse für Angehörige.
Reicht das Einkommen für Hilfsmittel und Heim nicht, prüft das Sozialamt die Hilfe zur Pflege. Wie das mit Schulden und Konto zusammenhängt, steht bei geldproblematiken.com. Wer früh für den eigenen Pflegefall vorsorgen will, findet Grundlagen bei starfish.fans.
Quellen
Häufige Fragen
Wie oft muss man umlagern?
Ein festes Intervall gibt es nicht. Früher galt alle zwei Stunden, heute richtet es sich nach der Haut und der Eigenbewegung. Meist sind zwei bis vier Stunden sinnvoll. Bleibt eine Rötung stehen, lagern Sie kürzer und entlasten die Stelle ganz.
Zahlt die Kasse einen Topper oder eine Antidekubitus-Matratze?
Ja, wenn ein Arzt sie verordnet. Bei medizinischer Notwendigkeit läuft die Verordnung über die Krankenkasse nach § 33 SGB V. Über die Pflegekasse geht es als technisches Pflegehilfsmittel. In beiden Fällen fällt eine Zuzahlung an.
Darf ich eine Wunde selbst versorgen?
Ja, wenn ein Arzt die Wundversorgung verordnet und Ihnen den Verbandwechsel zeigt. Die Verordnung läuft als häusliche Krankenpflege nach § 37 SGB V. Ein Pflegedienst kann das übernehmen. Die Kasse trägt die Kosten nach ihrer Genehmigung.
Was tun, wenn schon eine Rötung da ist?
Legen Sie niemanden auf die Stelle, sie braucht Druckentlastung. Prüfen Sie, ob sich die Rötung wegdrücken lässt. Bleibt sie stehen, ist das ein Druckgeschwür der Kategorie 1. Dann sollte der Arzt die Stelle ansehen.
Bringt eine Antidekubitus-Matratze allein etwas?
Nein, Bewegung bleibt die Hauptsache. Die Matratze verteilt den Druck nur auf eine größere Fläche. Umlagern und Hautkontrolle sind weiter nötig. Beides zusammen verhindert die meisten Wunden.